Das Prinzip Reise: Sehnsucht nach dem eigenen Ich in den Werken von Christian Kracht


SUNAR H. Ş.

"Wenn jemand eine Reise tut..." Die Reise in der deutschen Literatur, Valencia, İspanya, 29 - 31 May 2019, ss.16

  • Basıldığı Şehir: Valencia
  • Basıldığı Ülke: İspanya
  • Sayfa Sayısı: ss.16

Özet

 

 

 

Das Prinzip Reise: Sehnsucht nach dem eigenen Ich 

in den Werken von Christian Kracht

 

Der Begriff Reise beschreibt einen Handlungszusammenhang, in dem Agierende bzw. Reisende ihr Handeln bewusst oder unbewusst auf ein Ziel hin ordnen. Die Reise verweist in ihrem Umfang auf verschiedene Orte und Räume, die verlassen, passiert und/ oder als Ziel erreicht werden, und Reisen bedeutet vor allem, mit Welt in Berührung zu kommen – mit anderen Menschen, Kulturen, anderen Lebensumständen oder Gewohnheiten. Aus Begegnungen solcher Art erwachsen neue Möglichkeiten, Fremdes aus erster Hand kennenzulernen. Es ist genau diese Erfahrung des Anderen, die die Auseinandersetzung mit dem Eigenen ermöglicht und unterstützt.

Reisen als Mittel der Selbstfindung ist eines der zentralen Motive im literarischen Schaffen des schweizerischen Autors Christian Kracht. Wie wir ihn aus bisherigen Werken kennen, thematisiert er unter anderen die Orientierungslosigkeit auf dem Weg der Selbstfindung. Bei ihm dient das Reisemotiv eher dazu, das Selbst in der Welt zu verorten: Krachts Protagonisten suchen nach eigenem Platz in der Welt, und um sich zu finden, reisen sie. Aber wie weit muss man überhaupt gehen, um sich zu finden? Irgendwo anzukommen? Nicht nur die früheren Werke wie 1979 und Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten, sondern auch seine späteren Romane, Imperium und Die Toten, weisen darauf hin, dass die Suche des Krachtschen Protagonisten zum Scheitern verurteilt ist. Anhand der oben genannten Werke möchte ich in dieser Arbeit zeigen, dass Krachts Figuren allerdings ins Nichts reisen und dort, wo sie dann am Ende ihrer unendlichen Irrefahrt erreichen, nichts zu finden ist – außer dem Selbstverlust, Verderben und Tod.