in: Thesaurus Avarorum. Archaeological Studies in Honour of Éva Garam – Thesaurus Avarorum. Ünnepi kötet Garam Éva 70. születésnapjára., Vida T., Rácz Zs., Editor, Martin Opitz Kiadó, Budapest, pp.551-580, 2012
Petofiszallas ein reiches fruhawarisches Mannergrab entdeckt. Nach der Freilegung des Grabes wurde in der Umgebung ein Gebiet von uber 5000 m2 -durchforscht, wobei jedoch keine weiteren archaologischen Erscheinungen gefunden wurden.
Das veroffentlichte Grab gehort auf Grund des Fundmaterials (Ohrgehange mit Goldblechkugel, Gurtel mit gepressten goldenen Beschlagen mit Kugelreihenrahmen, Schwert mit Goldgehange und seines Bestattungscharakters (Einzelgrab, Bestattung ohne Pferd eindeutig zum fur das Gebiet zwischen Donau und Theis typischen Pseudoschnallenkreis (Bocsa, Kunbabony, Maglod, Kiskunfelegyhaza-Paka). Die dazu gehorigen Fundensembles konnen vor allem auf Grund des Materials und der Herstellungstechnik bzw. der Fundzusammensetzung mit der Oberschicht der awarischen Gesellschaftspyramide verbunden werden. Einzelne Stucke des Gurtels mit gepressten Kugelreihenrahmen-Beschlagen (Dreierbeschlaggruppe, Schild- und T-Beschlage) sind aus
Goldblech guter Qualitat, bei deren alleiniger Betrachtung der im Grab bestattete Mann im Rang den Toten der Graber von Bocsa und Kunbabony nahe stand. Darauf verweist ebenfalls der andere, mit runden Beschlagen verzierte Gurtel, der die nachste Parallele der ahnlichen Zierden von Bocsa ist. Berucksichtigen wir jedoch auch die bronzevergoldete Schnalle des Grabes, die technische Ausfuhrung ihrer gezahnten Flechtbandornamentik und die silbervergoldeten Nebenriemenzungen des Gurtels, dann allerdings steht der Sippenvorstand von Maglod mit gepressten Pseudoschnallen besserer Qualitat und qualitativ hervorragend gezahnter Schnalle im Rang uber dem Toten dieses Grabes. Wahrscheinlich hat das Fehlen von Pdeudoschnallen am Gurtel mit goldenen Beschlagen des Grabes von Petofiszallas keine rangmasigen, sondern chronologische Ursachen.
Die Bestattung kann geschehen sein, als der auch von ihm eingenommene Rang noch nicht durch Pseudoschnallen symbolisiert wurde. Die Datierung der awarenzeitlichen Furstengraber mit Kugelreihenrahmen-Pseudoschnallen und der ubrigen zu ihnen gehorigen Graber ist bis heute ungelost, die Fundensembles konnen innerhalb weiter Zeitgrenzen relativ leicht in die Zeit zwischen erstem und drittem Drittel des 7. jahrhunderts datiert werden. Im Zusammenhang mit den Magloder Funden hat Eva Garam auch neue Gesichtpunkte in die Untersuchung des Pseudoschnallenkreises und die Prazisierung der Datierung einbezogen: die Beziehung zwischen den Funden des Pseudoschnallenkreises und den mit gezahntem Flechtband verzierten Gegenstanden in den transdanubischen Graberfeldern auch mit merowingischen Merkmalen (Zamardi, Kolked-Feketekapu A und B, Szekszard-Bogyiszloi ut, Csakbereny, Kornye usw.) bzw. der Anwendung der Steineinlagentechnik als Verbindungsklammer. Auf Grund ihrer Untersuchung hat sie festgestellt, dass es auser den technischen und stilistischen Ahnlichkeiten zwischen dem transdanubischen Fundkreis mit gezahntem Flechtband und den kugelreihengerahmten Pseudoschnallen mit Steineinlage auch eine chronologische Uberlappung gibt: Die Entstehung des gezahnten Tierstils in Transdanubien ist fruher als die Pseudoschnallenherstellung, aber ein Teil von ihnen waren auch gleichzeitig in Gebrauch. Im Pseudoschnallenkreis tauchen zoomorphisierte Varianten der gezahnten Flechtbandverzierung auf, ein Stilwechsel, der auf italisch-suddeutschen Einfluss in die ersten Jahrzehnte des 7. Jahrhunderts datiert werden kann. Also uberdeckte sich die Nutzungszeit der gezahnten Flechtbandgegenstande und des Pseudoschnallen-Fundkreises im zweiten und hochstens noch 3. Viertels des 7. Jahrhunderts. Dies stimmt damit uberein, dass auf den fruhesten, an den Anfang des 7. Jahrhunderts zu datierenden Beschlaggurteln (Martynovka-, Fonlak-Typ, Punkt-Linien-Ziergruppe) Steineinlage, Dreierbeschlaggruppe und Kugelreihenrahmen fehlen, die dann fur die im 2.–3. Viertel des 7. Jahrhunderts gebrauchlichen Gurtel typisch sind.
Auch aus einem anderen Gesichtspunkt ist Eva Garams erwahnte Arbeit wichtig. Sie hat auf Grund der Stilmerkmale (Keilschnitt, Perldraht, Steineinlagenform) die Funde des Bocsa-Kreises in zwei Gruppen geordnet: in die eine Gruppe die durch Zellen mit Scheiben-Linien-Muster, runde Steinfassungen und Perldrahtimitation charakterisierbaren Funde, Bocsa, Kunbabony und ihre Imitationen, in die andere auf Grund der Schuppenmusterzellen, rechteckige Steinfassungen und des Keilschnittes Mala Perešcepino, Maglod, den Papaer Kreis und ihre Imitationen.
Im Grabensemble von Petofiszallas tauchen die nachsten Parallelen der Bocsaer Funde auf (Scheibenbeschlage, Pseudobeschlage, Schwert-Quereisenbeschlag), und deshalb gehort es zur von Eva Garam getrennten Bocsa-Kunbabony-Gruppe. Zugleich hat es auf Grund der gezahnten Flechtbandschnalle auch Verbindung zum Magloder Grab, das Eva Garam in die andere Gruppe der Pseudoschnallenfunde einreihte. Unter den Fundensemblen des Pseudoschnallenkreises ist das Grab von Petofiszallas dehalb wichtig, weil die Tamga- und Nebenriemenzungen mit geschwungenen Langsseiten sowie die Pseudobeschlage die Beziehung des Bocsa-Kreises und der Beschlage vom Martynovka-Typ enger ziehen und gleichzeitig die Punkt-Linien-Zier der gepressten Kugelreihenrahmen-Garnitur – zusammen mit den Beschlagen von Dany – den Fundkreis auch zu der punkt-linien-verzierten Gruppe der byzantinischen Beschlage offnet. Canad Balint kann damit Recht haben, wenn er die gemeinsamen Bezuge zwischen Pseudoschnallen und Beschlagen vom Martynovka-Typ mit ihrer identischen chronologischen Stellung erklarte, und wahrscheinlich kann das auch die Erklarung fur die Ahnlichkeit von Pseudoschnallenkreis und punktlinien-verzierten Beschlagen sein. Sowohl die Beschlage vom Martynovka-Typ als auch die mit Punkt-Linien-Verzierung waren mit Sicherheit ganz am Ende des 6. und im ersten Drittel des 7. Jahrhunderts in Gebrauch. Die Dreierbeschlaggruppe allerdings war erst im 2.–3. Viertel des 7. Jahrhunderts haufig. Der Schnitt dieser beiden Horizonte gibt die absolute Chronologie fur das Grab von Petofiszallas mit dem zweiten Viertel des 7. Jahrhunderts an.